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Schadenserfassung bei einem Leitungswasserschaden

Geschrieben am 20.05.2015

In Deutschland ereignen sich nach Angaben des Gesamtverbandes der Deutschen Versicherungswirtschaft e.V. (GDV) jährlich rund 1.200.000 versicherte Leitungswasserschäden. Hinzu kommt eine unbekannte Anzahl nicht angezeigter oder abgelehnter Schadenfälle. In der Vielzahl der Fälle ist die Schadenursache eindeutig und die Schadenabwicklung zwischen den Beteiligten unkompliziert. Ein geringerer Anteil der Schäden erweist sich von der Ursachenermittlung, über Sanierung und Wiederherstellung bis zur Abrechnung mit dem Versicherer als kompliziert.

Sobald im Wohnzimmer einmal das Wasser aus der Decke tropft wird von den meisten Menschen als erstes der Installateur gerufen. Von allen beteiligten Personen an einem Leitungswasserschaden wird diesem die größte Kompetenz bei der Erkennung und Behebung der Schadenursache zugesprochen. Für eine Fachkraft ist die überwiegende Zahl der Wasseraustritte leicht einzugrenzen. Es gibt aber eine zunehmende Anzahl an Schäden bei denen spezialisierte Leckortungstechniker tätig werden. Zum einen weil dies eine grundsätzliche Vorgabe des Versicherers sein kann, oder weil die Suche durch den Installateur ergebnislos blieb. Das Vorgehen des Leckorter erfolgt systematisch im Ausschlussverfahren.


7. Tracergas-Verfahren

Beim Tracergas handelt es sich um ein Gemisch aus Wasserstoff (5%) und Stickstoff (95%). Wasserstoff besitzt sehr feine Moleküle, die viele Materialen durchdringen können und dann kegelförmig aufsteigen. Dieses Gas wird in die entleerte, zu prüfende Leitung eingeführt. Im Bereich der Leckage tritt der Wasserstoff aus und gelangt mit Verzögerung an die Bauteiloberfläche. Mit einem Gasspürgerät kann nun der Bereich der höchsten Konzentration eingemessen werden. Bei Fliesenböden sollten zuvor im Leitungsverlauf Bohrungen in den Fugenkreuzen vorgenommen werden. Dies verkürzt den Weg des Gases an die Raumluft. Andernfalls zeigt sich das Gas aufgrund von dampfdichten Folien und Bodenbelägen zuerst seitlich an der nächstgelegenen Randfuge. Da sich der Wasserstoff recht lange in der Raumluft hält können diese Messungen am selben Tag meist nicht mehr wiederholt werden. Daher sollte immer als erstes der Übergang von der Flasche zum Druckminderer und zum Leitungssystem auf Dichtheit geprüft werden. Die Übergangstücke für das Befüllen von Wasserleitungen mit Spürgas müssen immer individuell angefertigt werden. Hat man überhaupt keinen Hinweis auf die Lage der Leckstelle im Gebäude kann der Tracergaseinsatz oft zumindest den richtigen Raum anzeigen.

Tracergas-Verfahren

8. Thermografische Verfahren

Sehr populär sind gegenwärtig Wärmebildkameras. Im Bereich der Leckageortung sind sie ein unverzichtbares Hilfsmittel. Jedoch werden mit diesen Geräten- insbesondere im gut isolierten Neubau, weit weniger Schäden gefunden als gemeinhin angenommen wird. Die Kameras zeigen eben nur die Wärmeabstrahlung oder Reflexion an der Bauteiloberfläche an. Hierfür kann es eine Vielzahl von Ursachen geben, die eben nicht auf einer Leckage beruhen. Sei es die unterbrochene Isolierung an einem T-Stück, die Wärmereflexion eines Deckenstrahlers oder der schlafende Hund, der den Estrich angewärmt hat. Die Bedienung der Kameras ist heute Kinderleicht. Dagegen setzt die Bewertung der Thermogramme physikalischen Sachverstand voraus. Vor der Bauteilöffnung empfiehlt es sich – wie bei allen anderen Verfahren auch – die Feststellung mit einem zweiten Ortungsverfahren abzusichern.

9. Videoendoskopie

Ein unbedingtes Muss ist die Videoendoskopie. Mit Ihr lassen sich Abflüsse, Vorwandinstallationen und Schächte mit geringfügigstem Eingriff untersuchen. Bauteilöffnungen mit Hammer und Meißel können vermieden werden. Das Endoskop benötigt meist nicht mehr als eine 6 mm Bohrung. Wichtig ist eine ausreichende Lichtleistung, damit im Schacht überhaupt etwas zu sehen ist. Darüber hinaus sollten die Kameraköpfe bewegbar sein, um die Blickrichtung im Bauteil ändern zu können. Zur Dokumentation verfügen die Geräte über Speicherkarten und Videoschnittstellen. Ein brauchbares Endoskop ist vergleichsweise teuer. Da diese Geräte selten für den rauen Baualltag gebaut wurden, empfiehlt sich ein sehr behutsamer Umgang, will man teure Reparaturen vermeiden.

10. Färbemittel und Absperrblasen

Müssen z. B. Abflüsse oder Abdichtungen geprüft werden können Färbemittel und Absperrblasen eingesetzt werden. Zum Prüfen eines Bodeneinlaufs kann dieser mittels einer Absperrblase verschlossen werden. Dem aufgestauten Wasser wird das Färbemittel zugegeben. Ist der Abfluss undicht, kann dies anhand des sichtbar werden Mittels nun zugeordnet werden. Zu bevorzugen sind UV-Luminate die nur unter einer starken UV-Lampe sichtbar werden. Andere stark färbende Mittel können schnell umfangreiche Renovierungen als Folge haben.
Ist die Schadenstelle erfolgreich eingegrenzt kann die Bauteilöffnung erfolgen. Kosten der Wiederherstellung sollten dabei immer mit bedacht werden. Teure Fliesen zu beschädigen verbietet sich, wenn eine neue Leitung vom Nebenraum aus oder in einer Abseite viel leichter angeschlossen werden könnte. In diesem Falle ist der Versicherer um sein Einverständnis zu bitten. Die geöffnete Schadenstelle dient nämlich zum Nachweis des Versicherungsfalles. Schadenstellen sollten deshalb immer fotografiert und defekte Leitungsteile für mögliche Materialuntersuchungen sichergestellt werden. Insbesondere Haftpflichtversicherer weisen einen Regress ab, wenn Beweise fehlen. Der Gebäudeversicherer bleibt dann auf seinen Kosten sitzen. Ein guter Ortungsbericht gibt in wenigen Sätzen Auskunft über die Ursache und Lage der Leckstelle im Gebäude. Versicherungsrechtlich wird z. B. unterschiedlich verfahren mit Schäden an Rohren oder Armaturen, einem Bruchschaden oder einem Muffenversatz. Auch kann es relevant sein ob die Leitung unterhalb oder oberhalb der Sohlplatte beschädigt ist. Die Reparatur einer abgerissenen Silikonfuge zählt nicht zu den versicherten Kosten. Der Folgeschaden durch bestimmungswidrig ausgetretenes Leitungswasser ist dagegen sehr wohl versichert. Es kommt nur darauf an, ob der Schaden bei rechtzeitiger Instandsetzung vermeidbar gewesen wäre. Zwei bis drei Fotografien dienen der Beweisführung. Wenn Sanierungsbedarf an der Wasserinstallation besteht, sollte dies im Bericht vermerkt werden. Die Abrechnung der Leckortung erfolgt in der Regel in Form einer Pauschale. Für das Vorhalten der Messtechnik, An- und Abfahrten und rund zwei Stunden Suche werden in der Regel zwischen 300,- bis 350,- € netto berechnet.

Mit dem Auffinden der Schadenstelle ist der Schaden für den Geschädigten allerdings noch lange nicht vorbei. Oftmals wird eine technische Trocknung der Bausubstanz und die Erneuerung beschädigter Bauteiloberflächen nötig.

Hinweis: Für interessierte Installateure, Heizungsbauer, Techniker und Ingenieure bieten wir passen das Seminar ‚ZVSHK Komplettsanierung von Leitungswasserschäden‘  an.

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