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Ökodesign und Verbrauchskennzeichnung von Raum- und Kombiheizgeräten, Warmwasserbereitern und –speichern sowie von Verbundanlagen aus diesen Geräten und Solaranlagen

Geschrieben am 20.05.2015

Ab dem 26.09.2015 gelten die EU-Vorgaben für die Energieeffizienzkennzeichnung für eine große Anzahl von Wärmeerzeugern und die entsprechenden Verbundanlagen. Der Verbraucher soll schnell und einfach effizientere Produkte erkennen können. Gleichzeitig treten mit der Öko-Design-Richtlinie bestimmte Mindestanforderungen an die Energieeffizienz für diese Wärmeerzeuger in Kraft. Heizgeräte, die diese Anforderungen nicht erfüllen, dürfen nicht mehr hergestellt werden.

Die Energieeffizienzvorgaben der europäischen Union zur Reduktion der Abhängigkeit von Energieimporten, Verbesserung der Nutzung der knappen Ressource Energie und zum Schutz des Klimas, haben nun den Heizgerätebereich erreicht. Ähnlich der Kennzeichnung bei Elektrogeräten wie Kühlschränken und Waschmaschinen müssen die betroffenen Wärmeerzeuger ab dem 26. September 2015 für den Endverbraucher sichtbar mit einem Energieeffizienzlabel versehen sein. Die EU Verordnungen Nr. 811/2013, 812/2013, 813/2013, 814/2013 machen dabei nicht Vorgaben für alle Wärmeerzeuger, sondern definieren Anforderungen für Produkte mit einer Wärmeleistung ≤ 400 kW. Energiekennzeichnungen werden dabei nur für verbrauchernahe Heizgeräte und Verbundanlagen ≤ 70 kW Nennleistung gefordert. Anforderungen an Heizgeräte und Warmwasserbereiter, die feste Brennstoffe verwenden, werden zu einem späteren Zeitpunkt gestellt werden.


Für die Berechnung werden die in der EU-Richtlinie geforderten Angaben aus den Produktdatenblättern benötigt. Insbesondere in der Angebotsphase, wo der Wärmeerzeuger noch nicht geliefert wurde, wird die einfache Beschaffung der Produktdaten der zu kombinierenden Komponenten der Wärmeerzeugeranlage im September 2015 sicher nicht unkompliziert ablaufen. Aus diesem Grund ist eine elektronische Schnittstelle eingerichtet worden, auf die Anwender und Softwarelösungen zugreifen können. Einige Hersteller haben hier ihre Produktdaten schon übermittelt. Eine Vielzahl hat zugesagt, dies bis zum Stichtag durchzuführen. Ob die „Inverkehrbringer“ die gewünschten Anlagenkombinationen ausreichend einfach abbilden können oder erst aufwendig die Produktdaten der bevorzugten Komponenten beschaffen müssen, bleibt abzuwarten. Wir gehen derzeit davon aus, dass alle Systemhersteller, insbesondere in der Anfangszeit der Energieeffizienzetiketten versuchen werden, mit ihren eigenen Lösungen einen Vorteil im Markt zu erreichen.

Ausdrücklich sei darauf hingewiesen, dass die Berechnung des Energieeffizienzlabels ohne Kosten für den Kunden erfolgen muss. Bei einer endlichen Anzahl an sinnvollen Kombinationen eines Herstellers durch die Geräteindustrie ist dies sicher leistbar. Bei einer unendlichen Anzahl an Kombinationsmöglichkeiten ist dies für einen SHK-Betrieb eine Herausforderung. Sicherlich wird der eine oder andere Fachhandwerker dann in der Anfangsphase gleiche oder ähnliche Kombinationen zum Verkauf anbieten. Bei der tatsächlichen Installation muss aber dann auch das richtige Label für die installierte Wärmeerzeugeranlage übergeben werden. Fehlerhafte Effizienzlabel stellen einen wesentlichen Mangel dar. Der geschlossene Vertrag ist dann ggf. nicht erfüllt worden und der Kunde kann dann ggf. Nacherfüllung oder Schadensersatz fordern, und soweit keine Einigung erfolgt, vom Vertrag zurücktreten.

Insbesondere bei Bestandsanlagen bietet der Kauf von hocheffizienten Komponenten nicht immer die Gewähr, dass insgesamt auch eine hocheffiziente Wärmeerzeugeranlage entsteht. Dies kann zu Missverständnissen bei den Kunden führen, die bei der Beratung erläutert werden sollten. Die angebotene Effizienzklasse sollte zur Bestandsanlage passen oder die zukünftig geplanten weiteren Modernisierungen des Kunden unterstützen. In kritischen Fällen empfehlen wir, die Angebote an den Kunden zu dokumentieren.


Probleme in der Praxis könnten mit der Mindest-Effizienzanforderung bei Raumheizgeräten und Kombiheizgeräten ≤ 70 kW auftreten. Hier definiert die EU, dass die jahreszeitbedingte Raumheizungs-Effizienz nicht unter 86% liegen darf. Geräte, die diese Anforderung nicht erfüllen dürfen ab dem 26. September 2015 nicht mehr hergestellt werden. Diese Geräte sind insbesondere in Mehrfamilienhäusern mit einer Mehrfachbelegung an Luft-Abgas-Systemen (LAS) angeschlossen worden. Diese Geräte können dann nach Abverkauf der vorhandenen Restbestände zukünftig nicht mehr neu erworben werden. Neue Geräte können i.d.R. nicht an den vorhandenen Abgas-Systemen angeschlossen werden. Wir empfehlen in diesen Fällen schon heute eine Bestandsaufnahme durchzuführen und die Handlungsoptionen in Eigentümergemeinschaften oder mit dem Hauseigentümer zu besprechen. Der weitere Betrieb und die Instandsetzung von bestehenden Heizwertgeräten ist nicht untersagt.

Aufgrund der Vielzahl von betroffenen Betreibern konnte die Branche eine Ausnahme für Gasthermen bei der dezentralen Wohnungsbeheizung in Mehrfamilienhäusern erreichen. Heizkessel des Typs B1 (Schornsteingeräte, raumluftabhängig) mit einer Nennwärmeleistung ≤ 10 kW und Kombiheizkessel des Typs B1 mit einer Nennwärmeleistung ≤ 30 kW dürfen weiterhin als Heizwertgeräte betrieben werden. Voraussetzung dafür ist hier, dass die jahreszeitbedingte Raumheizungs-Energieeffizienz nicht unter 75% liegen darf. Diese Geräte dürfen also bei Schornsteinen mit Mehrfachbelegung im MFH auch nach dem 26. September 2015 neu eingebaut werden.

Aufgrund der Vielzahl von betroffenen Betreibern konnte die Branche eine Ausnahme für Gasthermen bei der dezentralen Wohnungsbeheizung in Mehrfamilienhäusern erreichen. Heizkessel des Typs B1 (Schornsteingeräte, raumluftabhängig) mit einer Nennwärmeleistung ≤ 10 kW und Kombiheizkessel des Typs B1 mit einer Nennwärmeleistung ≤ 30 kW dürfen weiterhin als Heizwertgeräte betrieben werden. Voraussetzung dafür ist hier, dass die jahreszeitbedingte Raumheizungs-Energieeffizienz nicht unter 75% liegen darf. Diese Geräte dürfen also bei Schornsteinen mit Mehrfachbelegung im MFH auch nach dem 26. September 2015 neu eingebaut werden.

Zusätzlich definiert die Öko-Design-Richtlinie noch Anforderungen hinsichtlich des zulässigen Schallleistungspegels, des Stickstoffausstoßes und bei Warmwasserspeichern hinsichtlich der Warmhalteverluste.

Fazit

Die Anforderungen der Öko-Design-Richtlinie und Verbrauchskennzeichnung haben auch schon andere Branchen umsetzen müssen. Im Bereich der Heizungsindustrie dürfte die praktische Anwendung jedoch nicht in allen Fällen leicht fallen. Insbesondere die Vielzahl an Produkten und Kombinationsmöglichkeiten, die zu einer individuellen Wärmeerzeugung beim Kunden führen, wird die Handwerksbetriebe vor Herausforderungen stellen auf die Sie sich schon heute vorbereiten müssen. In diesem Zusammenhang ist die Verzögerung seitens der Hersteller bei der Weitergabe der geforderten Produktdaten erheblich. Am Schluss wird der Letzte in der Kette die Verantwortung spüren oder Beeinträchtigung des Marktes erfahren, ohne wirklich die Ursache zu sein. Es soll aber auch nicht verschwiegen werden, dass viele Handwerksunternehmer eine deutliche Tendenz für die „Vogel-Strauß-Taktik“ haben und teilweise die künftigen Anforderungen für einen schlechten Scherz halten. Aber auch Softwarehersteller von Programmen zur Angebotserstellung scheinen darauf zu vertrauen, dass ihre Kunden im September 2015 eher eine schlechte Lösung kaufen werden, bevor Sie keine haben. Einige Systemhersteller versprechen bereits heute, rechtzeitig Programmlösungen für die eigenen Produkte zu bieten. Ein Hersteller hat durchblicken lassen, das seine Lösung auch den Import anderer Produktdaten zulassen wird. Es bleibt zu hoffen, dass hier bei allen Beteiligten bis zum September noch ein Umdenken stattfinden wird. 

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Stand: April 2015, Vervielfältigung nur Mitgliedern des FV SHK Hessen im Originaltext, nicht auszugsweise gestattet!

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