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Rente mit 63 und die Folgen

Geschrieben am 12.08.2014

Die gute Nachricht: Wer 45 Jahre einzahlt, kann ohne Abschlag in Rente. Die schlechte: Es droht nun eine Zunahme von Frührente und Vorruhestand! Laut Bundesagentur für Arbeit könnten 2014 und 2015 insgesamt rund 900.000 Beschäftigte mit 63 in Rente gehen.

Die Eckpunkte

  • Die Einführung ist zum 1. Juli 2014 geplant. Jeder, der zu diesem Zeitpunkt die Kriterien erfüllt, kann sie beantragen.
  • Sie gilt für „besonders langjährig Versicherte“. Das sind jene, die 45 Jahre eingezahlt haben. Zu diesen Zeiten zählen auch Kindererziehungszeiten und – das ist neu – auch Zeiten der Arbeitslosigkeit. Zeiten mit Arbeitslosengeld I werden angerechnet. Arbeitslosengeld II, also Hartz IV, und die frühere Arbeitslosenhilfe nicht.

Eigentlich hatte die Große Koalition vor sieben Jahren die Einführung der „Rente mit 67“ beschlossen – mit zwei Ausnahmen: Wer 45 Beitragsjahre hatte, durfte mit 65 ohne Abschläge in Rente.

Künftig geht das für diese Gruppe schon mit 63. Das Einstiegsalter wird allerdings schrittweise wieder auf 65 angehoben. Wie das in einer Übersicht als Tabelle ausschaut, sehen Sie hier:

Die "Rente mit 63" nach Jahrgängen

laut Gesetzesentwurf gilt folgende Staffelung:

vor 195363 Jahre195964 + 2 Monate
195363 + 2 Monate196064 + 4 Monate
195463 + 4 Monate196164 + 6 Monate
195563 + 6 Monate196264 + 8 Monate
195663 + 8 Monate196364 + 10 Monate
195763 + 10 Monateab 196465 Jahre
195864 Jahre
vor 1953: 63 Jahre
1953: 63 + 2 Monate
1954: 63 + 4 Monate
1955: 63 + 6 Monate
1956: 63 + 8 Monate
1957: 63 + 10 Monate
1958: 64 Jahre
1959: 64 + 2 Monate
1960: 64 + 4 Monate
1961: 64 + 6 Monate
1962: 64 + 8 Monate
1963: 64 + 10 Monate
ab 1964: 65 Jahre

Wer trotzdem mit 63 in Rente will, muss mit Abschlägen bis zu 14,4 Prozent rechnen. Diese Regel (0,3 Prozentpunkte Abschlag pro Monat vorgezogener Rentenbeginn) gilt weiterhin für alle, die nicht auf 45 Jahre kommen. Lediglich den erwähnten „besonders langjährig Versicherten“ wird nichts abgezogen.

Die Rente könnte faktisch mit 61 Jahren beginnen

Die Arbeitgeber sprechen von einem "kapitalen Fehler": Bei zweijährigem Arbeitslosengeld I könnten Beschäftigte im Idealfall schon mit 61 Jahren aufhören zu arbeiten. Das würde für die Bundesagentur für Arbeit teuer: Sie hat ausgerechnet, dass 100.000 ältere Arbeitslose mehr mit 2,2 Milliarden Euro Zusatzausgaben zu Buche schlagen würden.

Der CDU-Wirtschaftsrat kritisiert die Pläne zur „Rente mit 63“ von Bundesarbeitsministerin Andrea Nahles scharf.  Selbst internationale Organisationen wie die OECD oder der Internationale Währungsfonds, die Deutschland einst für die Rente mit 67 gelobt haben und international als Beispiel für eine vorausschauende Sozialpolitik hingestellt haben, üben Kritik.

In vielen Fällen könnte die Rente faktisch mit 61 Jahren beginnen, argumentieren sie. Das wäre der Fall, wenn Arbeitgeber und Arbeitnehmer die längere Bezugsdauer für Ältere beim Arbeitslosengeld ausnutzten. Der Deal könnte so aussehen: Entlassung mit 61 gegen eine Abfindung, zwei Jahre Arbeitslosengeld, anschließend Rente mit 63. Vor allem bei Arbeitnehmern mit gesundheitlichen Problemen könnte eine „sozialverträgliche Lösung“ so aussehen. Dies wäre sicher auch eine Entlastung für die betroffenen Betriebe.

Die Menschen werden älter, heute zahlen rund 100 Arbeitnehmer die Rente für 58 Rentner. 2050 werden es über 70 Rentner sein. Laut statistischem Bundesamt wird die deutsche Erwerbsbevölkerung bereits in weniger als 50 Jahren um ein Drittel geschrumpft sein.

Auch wenn führende Koalitionäre angesichts immer neuer Probleme offensichtlich kalte Füße bekommen, darf man nicht darauf hoffen, dass die Pläne gestoppt werden. Die Koalition kann gar nicht zurück. Die Union steht im Wort bei der SPD, und die Genossen haben den Gewerkschaften ihr Versprechen gegeben. Es gibt keinen Zweifel: Die Rente mit 63 wird kommen. Jetzt kann es nur noch um die Begrenzung des Schadens gehen. Man darf nicht unterschätzen, dass die Kosten für das neue Rentenpaket auf volkswirtschaftlicher Ebene verschärfend hinzukommen und das Bruttoinlandsprodukt zusätzlich schwächen.

Nun hat Sozialministerin Andrea Nahles eine Prüfklausel für das Jahr 2018 ins Gesetz geschrieben. In der Klausel heißt es demnach, die Bundesregierung solle "vom Jahr 2018 an über die Auswirkungen der Altersrente für besonders langjährig Versicherte" berichten und "Vorschläge für eine Weiterentwicklung" machen. Dabei soll überprüft werden, wie viele Menschen von der Regelung Gebrauch machen und die Zugangsvoraussetzungen erfüllen.

Ein Rücksteuern auf die „alte Rentenregelung“ kann vor allem für viele kleine und mittlere Unternehmen zu spät kommen.

Der drohende Verlust von Fachkräften kann aller Voraussicht nach nicht durch Auszubildende aufgefangen werden. Um Ersatzkräfte – falls überhaupt vorhanden – einzuarbeiten, benötigt man betroffenen Branchenkennern zufolge, in der Regel zwei Jahre. Bis 2020 fällt bundesweit jeder fünfte Schulabgänger und damit potenzielle Ausbildungsplatzbewerber weg und zu allem Überfluss halten viele Jugendliche eine Ausbildung im Handwerk für nicht sehr attraktiv.

„Volles Rohr Zukunft“

Wie schon in der letzten SHK markant erwähnt, versucht der ZVSHK  unter anderem mit der 2012 gestarteten Kampagne „Volles Rohr Zukunft“ (vollesrohrzukunft.de), qualifizierten Nachwuchs für die vier Ausbildungsberufe im SHK-Handwerk zu gewinnen.

Man darf bei der ganzen Diskussion nicht vergessen, dass es sich gerade auch in der SHK-Branche um einen körperlich sehr fordernden Beruf handelt. Was sollte der Betrieb tun, um eine Überalterung seiner Belegschaft vorzubeugen und auch für die betroffenen Mitarbeiter eine verträgliche Übergangsregelung zu schaffen. Wie immer sollte ein offenes Gespräch an oberster Stelle stehen. Auch ein älterer Mitarbeiter sollte sich damit auseinandersetzen, dass ein später Berufswechsel durchaus zum Arbeitsleben dazugehören kann. Fortbildung kann helfen, sich im Alter ein körperlich nicht mehr ganz  so anstrengendes Arbeitsumfeld zu sichern. Es wäre sowohl für einen Mitarbeiter als auch für ein Unternehmen bedauernswert, wenn das gesammelte Wissen eines erfahrenen Mitarbeiters wegen physischer Einschränkungen vollständig verloren geht. "Mit über 50 noch Neues lernen lohnt sich doch nicht - diese Haltung kann sich unsere Gesellschaft einfach nicht mehr leisten.

Nach einer Analyse der Bundesagentur für Arbeit (BA) weiten sich die Engpässe aus und erreichen mehr technische Berufe wie Energie- und Klimatechniker, Klempner und Heizungsinstallateure. Immer mehr Spezialisten ohne akademische Ausbildung fehlen.  Die Zeit, in denen die Arbeitgeber der SHK-Branche auf neue Bewerber warten müssen, liegt (vor der Rente mit 63 Jahren) bereits bei rund 110 Tagen. Auf 100 gemeldete Arbeitsstellen kommen hierbei rechnerisch 57 arbeitslose Fachkräfte1

Fehlende Fachkräfte sind teuer. Es ist kaum nachvollziehbar, dass die erfreulichen Prognosen für das Geschäftsjahr 2014 durch den Engpass Mitarbeitermangel im Fachhandwerk aufgezehrt werden. Der Mangel an Monteuren wird 2014 das Wachstumspotenzial der Branche nach einer Trendstudie von 6% auf eine schwarze Null eingrenzen.

Es bleibt sowohl für die Branche als auch für die Kunden nur zu hoffen, dass die Prüfklausel nicht zu spät eingreift. Ein Umdenken der großen Koalition noch vor der Einführung der Rente mit 63 im Juli 2014 ist wohl eher nicht zu erwarten.

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 1Bundesagentur für Arbeit, Fachkräfteengpässe in Deutschland, Analyse Dezember 2012

Rentenpaketdpa-Grafik Geplante Zusatzkosten und Beitragssteigerungen durch das Rentenpaket

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